Was Werbung und PR unterscheidet, ist nicht allen klar

An einer von teamMedi initiierten freiwilligen Umfrage nach der 2. Gesundheitsmesse für alternative Heilverfahren in Oranienburg nahmen 13 von 40 Ausstellern teil. Insgesamt waren zehn Fragen zur Zufriedenheit der Öffentlichkeitsarbeit und zur Messeresonanz im Multiple-Choice-Verfahren schriftlich zu beantworten. Mehrfachnennungen und Freitexte waren erlaubt.

Die Rücklaufquote der nicht repräsentativen Mini-Studie betrug 32,5 Prozent.

Zitat Wikipedia: „Generell liegen aber die Rücklaufquoten bei schriftlichen Befragungen deutlich niedriger als bei mündlichen Umfragen. Dabei gelten für schriftliche Untersuchungen – sofern es sich nicht um Spezialumfragen bei einem definierten Personenkreis handelt – Rücklaufquoten von mehr als 15 Prozent bereits als bemerkenswert hoch.“

Die Möglichkeit, anonym zu antworten, nahm niemand der Befragten in Anspruch. Es antworteten elf Frauen und zwei Männer. Die Antworten kamen aus den Branchen: Heilpraktiker, Beratung, Gesundheitsprodukte und Ernährung. Die Unternehmen bestanden zwischen 1/2 und 17 Jahren, durchschnittlich 4,8 Jahre. Nach Arbeitspensum und Umsatz wurde nicht gefragt.

1) Zum wievielten Mal nehmen Sie an einer Messe teil?

Über die Hälfte der Aussteller (7) nahm zum zweiten bis fünften Mal an einer Messe teil. Für vier Aussteller war es die erste Messepräsenz. Zwei Aussteller gaben im Freitext „vier bzw. sechs Jahre“ und „kann ich nicht mehr zählen“ an.

2) Was war ihre Motivation, an dieser Messe teilzunehmen?

Die meisten Austeller (11) wollen bekannter werden. Neun von 13 kreuzten an: „Mein Angebot wird noch nicht von allen wahrgenommen, die ich gerne als Kunde / Patient hätte. Sechs Aussteller waren bei der Messepremiere im Vorjahr dabei. Vier gaben an, die Veranstalterin zu kennen. Ein Erstaussteller wurde von einem anderen Aussteller aufmerksam gemacht. Eine Ausstellerin entschied sich zur Teilnahme, weil sie auf Messen ihre Zielgruppe differenzierter ansprechen kann.

3) Welches Budget stand Ihnen für Ihre Messewerbung zur Verfügung?

Zwei der Befragten setzten null Euro ein, drei bis 50 Euro, ebenfalls drei bis 100 Euro und drei bis 500 Euro. Zwei Ausstellern erschien diese Frage offenbar zu heikel, sie wollten die Angabe nur im persönlichen Gespräch machen – darauf wurde zugunsten der Gleichbehandlung aller Befragten verzichtet. Einmal stand im Freitext: „270 €, bin selbst erschrocken“ sowie einmal „250 €“.

4) Welche Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit haben Sie persönlich vor der Messe ergriffen?

Am häufigsten genannt (8x) wurden persönliche Einladungen. Auf der eigenen Webseite wiesen sieben Aussteller auf ihre Messeteilnahme hin. Flyer ließen sechs Aussteller drucken. Drei Aussteller annoncierten in Zeitungen. In Veranstaltungskalendern trugen nur zwei den Termin ein. In Newslettern wiesen drei Aussteller auf die Messe hin. Die E-Mail-Signatur mit Veranstaltungshinweis wurde nur von einem Befragten angegeben. Eine Presseinformation hatte ein/e Befragte/r vorbereitet, eine Pressemappe niemand.

5) Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz? (Die Frage bezog sich auf die PR-Maßnahmen.)

Sechs Befragte waren „teils, teils zufrieden, einige Leute haben mich darauf angesprochen“. Zwei waren „gar nicht zufrieden, es ist nichts passiert“. Ein Teilnehmer „wurde überrannt von Anfragen“. Bei der Frage gab es die meisten Freitextantworten. Angaben wie „war super“ oder „zufrieden, viele Kontakte“, könnte man zu den vorgegebenen Antwortmöglichkeiten addieren. Offensichtlich entsprach diese Variante aber nicht dem Empfinden der Antwortenden. Einmal wurde angegeben, dass „die Resonanz nach einer Messe immer zeitversetzt stattfindet und es einige Interessierte“ gab. Eine weitere Antwort war: „Mein Produkt erfordert eine individuelle Präsentation.“ Einmal wurde moniert, dass eine gemeinschaftliche Werbung nicht erfolgte.

6) Ist jemals ein redaktioneller Artikel über Sie / Ihre Arbeit erschienen (keine bezahlte Werbung)?

Hier antworteten sieben Befragte mit „ja“ und sechs mit „nein“. Die Beiträge erschienen im Oranienburger Generalanzeiger (2) und in der Märkischen Allgemeinen (2), in Fachmedien (1). Für zwei Artikel konnte kein Medium eindeutig verifiziert werden. Bei drei Presseerfahrenen gab es einen Anlass für die Berichterstattung: einmal ein Angebot, einmal ein fachlicher Hintergrundbezug zu einem aktuellen Thema sowie einmal ein Fachthema. Einmal wurde angegeben, dass der Aussteller die Zeitung/ TV / Radio selbst informierte. Drei Aussteller kannten den Redakteur. Einmal wurde angegeben „keine Ahnung, wie die auf mich gekommen sind“.

7) Waren Sie mit dem Ergebnis zufrieden? (Die Frage bezog sich auf Qualität und Aussage des Beitrages.)

Das bejahten drei Befragte „vollkommen“. Zwei davon gaben eine Begründung an: meine Vorträge wurden besucht (1x), meine Leistung wird angenommen (1x). „Teils, teils“ waren zwei Befragte zufrieden. Ein weitere/r Befragte/r gab im Freitext an, kein Ergebnis erwartet zu haben.

8) Welche Resonanz erzielte der Beitrag?

Die Antwortvarianten „Ich bekam viele Anrufe, deutlich mehr als sonst.“ sowie „Ich werde laufend darauf angesprochen“ konnte niemand bestätigen. Drei Aussteller gaben an: „Die Leute wussten konkret, was ich für sie tun kann.“ Bei einem Aussteller nahmen die Terminanfragen deutlich zu, ein weiterer konstatierte erst nach Monaten Resonanz. Zwei Aussteller gaben an: „gar keine, es hat niemand gelesen, gesehen.“

9) Kennen Sie den Unterschied zwischen Werbung und PR?

5x ja, 5x nein, 1x etwas, 1x „jein“, 1x keine Angabe

10) Finden Sie es schwer, Gesundheit zu kommunizieren?

5x ja, 5x nein, 1x keine Angabe

Freitextantworten:

  • Schwer, weil sich die Leute im psychischen Bereich wenig darunter vorstellen können und oft auch nicht zugeben wollen, dass sie damit ein Problem haben.
  • Schwer, weil das Ziel vieler Menschen ein anderes ist. Es ist besser, auf die Ziele der Menschen einzugehen.
  • Nicht schwer, weil es eigentlich für jeden von Interesse sein sollte.
  • Wenige wollen Geld dafür ausgeben.
  • Kommt auf das Gegenüber an.

Fazit:

  • Es gibt zahlreiche Varianten für „Null-Budget-PR“. Bei den Teilnehmern der Gesundheitsmesse blieben diese so gut wie ungenutzt.
  • Bedenkt man, dass eine Messe dazu dienen soll, neue Kundenkreise zu erschließen, waren in der Umfrage die persönlichen Einladungen überproportional oft vertreten. Künftig sollte der Fokus mehr darauf gesetzt werden, wie potenzielle Neukunden angesprochen werden können.
  • Die Anzahl der bereits erschienenen redaktionellen Artikel (immerhin bei mehr als 50 Prozent der Befragten) überrascht. Anders als vermutet, ist das ausgesprochen selten Zufall. Ob etwas für die Medien relevant ist, hängt von Thema, Aktualität, Persönlichkeit und zahlreichen weiteren Faktoren ab, z.B. von Art und Konzentration der Medien in einer Region.
  • Der Unterschied zwischen Werbung und PR ist offensichtlich nicht allen klar. Aus der Art der Antworten ist zu vermuten, dass Informationsbedarf besteht.
  • Es wurde absichtlich nicht nach dem Heilmittelwerbegesetz gefragt. Dass über Gesundheit gesprochen wird, ist klar. Entscheidend ist das fachlich und juristisch einwandfreie Wie.
Die Gewinner der Buchverlosung wurden unter Ausschluss des Rechtsweges gezogen. Als Glücksfee (mit geschlossenen Augen) fungierte Messe-Organisatorin Petra Michael.

Die Gewinner der Buchverlosung wurden unter Ausschluss des Rechtsweges gezogen. Als Glücksfee fungierte Messe-Organisatorin Petra Michael.

Herzlichen Glückwunsch an Jana J. und Evelyn W.!